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Programmschrift

Programmschrift zum 17. Konzert des Neuburger Kammerorchesters am Samstag, den 2. April 2011, 20 Uhr, Kongregationssaal

Feuerwerksmusik

Zur Feier des Aachener Friedens, der den Österreichischen Erbfolgekrieg  am 7. Oktober 1748 beendete, wollte König Georg  II. von England ursprünglich nur ein prächtiges Feuer- werk. Außerdem sollte die Feier im Londoner Green Park  wegen der Witterung erst am 27. April 1749 stattfinden. Nur unter der Bedingung, ausschließlich  Militärmusik  erklingen  zu  lassen, genehmigte  Georg  II. schließlich doch eine musikalische Gestaltung der Feier  und damit war die Besetzung für Händels „Feuerwerksmusik“ festgelegt: Blechbläser, Holz- bläser und Schlagwerk. Schon kurz nach der Feier erstellte Händel eine Fassung mit Streichern für den Konzertsaal. Für das Fest im Greenpark wurde schließlich die stattliche Zahl von 60 Musikern aufgeboten.

Geschickt setzt Händel die Wünsche des Hofes musikalisch in einer Ouvertürensuite um, indem er vor allem in der Ouvertüre die barocke musikalische Symbolik in den Vordergrund stellt, denn der Klang der Trompeten und die vom Marsch herrührenden punktierten Rhyth- men symbolisieren die Macht des Herrschers. Neben den Tänzen Bourée und Menuett erklingen auch inhaltlich auf das Fest bezogene Sätze. „La Réjouissance“ (die Freude) feiert mit kräftigen, schwungvollen Fanfarenstößen den nun herrschenden Frieden, „La Paix“ (der Friede) ist geprägt vom wiegenden Rhythmus im 12/8 Takt, der Ruhe und Geborgenheit versinnbildlicht. Da bei jedem großen Fest auch der Tanz eine große Rolle spielt, ist es nicht verwunderlich, wenn Händel an das Ende der Suite den damaligen Modetanz, das Menuett, setzt und dies gleich in zweifacher Ausführung: einmal mit eher intimen Charakter und zum Schluss als auftrumpfend repräsentativen höfischen Tanz. Dass Händels Musik zu seiner Zeit schon außerordentlich beliebt war, beweist die Reaktion der Londoner auf die Veran- staltung einer öffentlichen Generalprobe: Die Londoner Innenstadt versank in einem Verkehrschaos. Leider wurde die Feierstimmung bei der Festveranstaltung am Abend erheblich beeinträchtigt, denn das Feuerwerk funktionierte wegen der Witterung nicht wie geplant und eine Tribüne soll in Brand geraten sein. Schließlich rettete wenigstens Händels Musik die groß angelegte Feier.

Trauermusik

Paul Hindemith komponierte die Trauermusik innerhalb weniger Stunden am 21. Januar 1936 in London anlässlich des Todes von König Georg V. von England und führte sie  einen Tag später in einem Gedenkkonzert für den Verstorbenen auf, wobei er selbst den Solopart übernahm. Der 1. Satz der Trauermusik geht in seiner  Rhythmik auf   den 2. Satz „Die Grablegung“ seiner „Mathissymphonie“ zurück,  die den  Isenheimer  Altar von M. Grüne- wald musikalisch reflektiert. Mit der Wahl des 12/8 Taktes und seinem ruhigen Schwingen übernimmt Hindemith im 2. Satz die barocke musikalische Symbolik für Ruhe, Geborgen- heit und Schlaf. Im 3. Satz  werden durch die Temposteigerung und die dynamische   Wucht innerer Aufruhr und Verzweiflung des Menschen  angesichts des Todes  spürbar. Der Choral   „Vor deinen Thron tret´ ich hiermit“   beschließt   die   Trauermusik,  wobei   die   einzelnen Choralzeilen von  der Solobratsche sehr  ausdrucksvoll musikalisch  reflektierend   weitergeführt  werden.  Schließlich  endet  der  Choral  mit   einem   trostvollen  A-Dur  Akkord  und beschließt so diese innige musikalische Geste zum Tod einer großen Persönlichkeit.

„Sinfonia concertante“ Es-Dur KV 364

W. A. Mozart hatte auf seiner Konzertreise nach Paris in Mannheim die dort sehr beliebte Gattung der „Sinfonia concertante“ kennengelernt, die mit ihren mindestens zwei Solo- instrumenten die Tradition des barocken „Concerto grosso“ weiterführte. Nach seiner Rück- kehr nach Salzburg 1779 mag es ihn gereizt haben, diese Gattung auch dort vorzustellen, und so entstand wahrscheinlich 1779 die „Sinfonia concertante“ Es-Dur KV 364. Kompositorisch gesehen ist sie sicher der Höhepunkt seiner „Doppelkonzerte“. Schon in der Besetzung entscheidet  sich Mozart   nicht  nur  durch die Wahl einer Solobratsche, sondern auch durch die doppelte Besetzung  der Orchesterbratsche für eine eigentümliche Verschattung des Klanges. Wie in  einer  Symphonie  nehmen    hier nicht  nur   Streicher, sondern auch    die Bläser an der  Vorstellung des thematischen Materials teil. Mit dem Eintritt  der  dialogisierenden Soloinstrumente Violine und Bratsche aber treten sie eher in den Hintergrund. Die Idee des Konzertierens der Soloinstrumente mit dem Orchester  im Sinne des barocken „Concerto grosso“ gibt Mozart großenteils auf, den „Wettstreit“ führen in den Ecksätzen  die  Soloinstrumente.  Schwermütige und  schmerzliche  Züge  trägt  der  2. Satz in c-moll. Stimmentausch und Kanontechnik erinnern in diesem Satz zwar sehr stark an den barocken Kompositionsstil, doch setzt Mozart die eher rational konstruktiven Techniken dazu ein, einen innigen und elegischen Dialog zwischen Violine und Bratsche entstehen zu lassen, dessen Ausdrucksintensität auf die Romantik vorausweist. Der letzte Satz mit seiner überschäumenden Musizierfreude gibt den Solisten nicht nur Gelegenheit, ihre instrumentalen Fähigkeiten zu entwickeln, sondern er beschließt in jugendlicher Heiterkeit und Ausgelassenheit das Werk

(J. Fiedler)

Michael Friedrich

Michael Friedrich legte  nach seinem Studium in München, Wien, Detmold und Paris bei den Professoren Gerhart Hetzel, Wolfgang Schneiderhan und Yong Uck Kim 1987 sein Staatsexamen "mit Auszeichnung" ab. 1984 erhielt Michael Friedrich den Förderpreis der Ida- und Albert-Flersheim-Stiftung in Luzern, im Jahre 1988 den Kunstpreis der Stadt Schrobenhausen. Seit 1989 leitet er einen Violin- und Kammermusikkurs im Rahmen der "Sommerakademie für Musik, Bildende Kunst und Theater" in Neuburg/Donau. Seit 1994 ist Michael Friedrich Primarius des von ihm gegründeten "Grieg Quartett" München, seit 1990 erster Geiger im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Seit 2006 ist er Mitglied des Bayreuther Festspielorchesters.

Hermann Menninghaus

Hermann Menninghaus, 1963 im westfälischen Bünde geboren, startete seine musikalische Laufbahn zunächst auf der Geige. Im Alter von acht Jahren erhielt er ersten Unterricht, 1978 wechselte er zu Valeri Gradow an die Folkwanghochschule in Essen, wo er 1984 den 1. Preis des Hochschulwettbewerbs gewann. Des Weiteren besuchte er Meisterkurse u.a. bei Yehudi Menuhin, Ruggiero Ricci. 1986 wurde er als seinerzeit jüngstes Mitglied bei den Berliner Philharmonikern engagiert, die damals noch von Herbert von Karajan geleitet wurden. Von seinen Berliner Orchesterkollegen Wolfram Christ und Wilfried Strehle ließ er sich auf seinem neuen Instrument ausbilden und wurde bereits 1997 Erster Solo-Bratschist im Symphonieorchester   des   Bayerischen   Rundfunks.  In   den   Jahren   1998   und  1999  war Hermann Menninghaus Solo-Bratschist im Bayreuther Festspielorchester, von 1999 bis 2003 hatte er dieselbe Position beim Super World Orchestra in Tokio inne. Seit 2000 gibt er regel- mäßig internationale Meisterkurse.

 

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