Verbrennungen
Pressemitteilung vom 23.02.2009 | Schauspiel von Wajdi Mouawad
Als sie mit sechzig Jahren in einer ungenannten westlichen Stadt stirbt, hinterlässt Nawal Marwan ein geheimnisumwittertes Testament. Ihr Freund, der Anwalt Hermile Lebel, der mit der Testamentsvollstreckung beauftragt ist, übergibt ihren Kindern, den 22-jährigen Zwillingen Jeanne und Simon - sie Mathematik-Dozentin er Amateurboxer - jeweils einen Brief, den diese ihrem Vater und ihrem Bruder überbringen sollen. Von der Existenz eines Bruders wussten beide bisher nichts, und ihren Vater hielten sie für tot. Nach längerem Zögern begeben sich die beiden jungen Leute widerwillig in das vom Bürgerkrieg zerstörte Geburtsland ihrer Mutter, um ihren Vater und ihren Bruder zu suchen.
Auf ihrer Reise in die Vergangenheit klärt sich das von ihrer Mutter sorgsam gehütete ungeheuerliche Geheimnis ihrer Herkunft, und sie begreifen, warum sie nie viel über sich erzählt hat weil ihre Sprache Hass und Liebe nicht zu einen vermochte, und warum sie die letzten fünf Jahre ihres Lebens schweigend in ihrem Krankenbett gelegen ist. Wozu Worte dennoch fähig sind, zeigt die eindrucksvolle Sprachgewalt Mouawads.
Durch die Kombination von poetischen Passagen, die an die Klangfarbe orientalischer Geschichtenerzähler erinnern, mit schockierenden Bildern, die sich im Gedächtnis festhaken, baut der Autor in seinem Text eine ungeheure Spannung auf, wenn er die Geschichte einer Frau erzählt, die, bevor sie in den Westen floh, über viele Jahre die Gewalt im Nahen Osten erlebt hat. Dabei überschneidet er raffiniert die Spurensuche der Kinder mit dem in Rückblenden erzählten traumatischen Leben der Mutter, die als 14-Jährige einen „Feind“ liebte. Als sie später den Sohn aus dieser Verbindung, der ihr nach der Geburt weggenommen und in ein Waisenhaus gebracht wurde, sucht, gerät sie in die Schrecken eines Bürgerkriegs.
Dem in Libanon geborenen und in Paris und Frako-Kana aufgewachsenen heute 40-jährigen Auto Wajdi Mouawad ist mit „Verbrennungen“ eines der aufregendsten Stücke der letzten Zeit gelungen.
Montag, 2. März 2009, 20 Uhr
Dienstag, 3. März 2009, 20 Uhr
Selten hat ein neues Stück in den
vergangenen Jahren so aufgewühlt wie Verbrennungen. Die (Familien-)
Geschichte entwickelt sich in ihrer Wucht wie die großen
griechischen Tragödien, ist dabei aber hochgradig aktuell. „Es
gibt Theaterstücke, die man als Zuschauer selber erfahren muss: Man
kann sie nicht erzählen, darf ihr Ende, das kommt wie ein
„einstürzender Himmel“, nicht verraten. Die Geschichte bleibt
unaussprechlich - auch wenn man sie gesehen hat.“
(Bernd Noack, Deutschlandfunk,
15.10.2006)
Karten für die Vorstellung sind im Bücherturm, Tel.: 08431/642392, in der Touristinformation,
Tel.: 08431/55240, Fax: 55242, bei der Neuburger Rundschau, 08431/ Tel. 67 76 50 beim Donaukurier, Tel. 08431 / 6 47 65 20 oder per E-Mail: kultur@neuburg-donau.de erhältlich.

