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Statement BEM

Statement des Bundesverband eMobilität e.V. zu den Neuburger Umwelttagen 2011

Es ist Zeit zu Handeln

Während wir hier in Deutschland noch in Fachgremien tagen, Studien auswerten und an Prototypen feilen, wird in anderen Ländern bereits jetzt elektrisch gefahren. Im Gegensatz zu uns, beweisen unsere europäischen Nachbarn, dass Elektromobilität problemlos im Alltag einsetzbar ist und sind uns damit in einigen Bereichen elektrisch basierter Individualmobilität bereits einen grossen Schritt voraus.

Wir müssen jetzt aufhören zu analysieren und zu diskutieren und anfangen zu handeln, wenn wir im Bereich der Elektromobilität wettbewerbsfähig werden wollen. Das bedeutet nicht, unseren Anspruch auf Qualität und Perfektionismus aus den Augen zu verlieren, vielmehr können wir aus Praxiserfahrungen wertvolle Erkenntnisse für die Weiterentwicklung unserer eFahrzeuge, Mobilitäts-Konzepte und Infrastrukturlösungen gewinnen. Um Deutschland, wie angestrebt, zum Leitmarkt für Elektromobilität werden zu lassen, benötigen wir jetzt Planungs-, Handlungs- und Finanzierungssicherheit in Form konkreter Gesetzgebung und innovativen Initiativen auf Bundes- und Landesebene.

Der Systemwechsel hin zur Elektromobilität bedarf einer intelligenten Förderung. Damit meinen wir keine Pauschalförderung der Automobilkonzerne sondern beispielsweise die staatliche Förderung der ersten 250.000 verkauften Elektrofahrzeuge in Höhe von je 10.000 Euro. Eine Förderung, die zu je 50 % den Herstellern von Elektrofahrzeugen und dem Käufer zu Gute kommt. Von dieser Investition in die Initialisierung der Elektromobilität profitiert die Bundesregierung: Der Wirtschaftsmarkt Elektromobilität wird enorm angekurbelt, was gleichzeitig einen erheblichen monetären Rückfluss in die Staatskasse zur Folge hat. Als zusätzlichen Kaufanreiz benötigen wir außerdem die garantierte Steuerbegünstigung aller Elektrofahrzeuge bis 2022.

Bereits jetzt produzieren deutsche mittelständische Unternehmen wie German E-Cars, e-WOLF oder ELMOTO ohne staatliche Förderung und mit hohem finanziellen Risiko die ersten serientauglichen Elektrofahrzeuge. Diese Fahrzeuge müssen jetzt in der Gesellschaft deutlich sichtbar werden. Kurze Fahrstrecken, Park- und Lademöglichkeiten auf firmeneigenen Parkplätzen und eine große Sichtbarkeit machen kommunale Fuhrparks und Elektrofahrzeug-Flotten kommunalnaher Dienstleister zum optimalen Einsatzort für Elektromobilität. Und auch Stadtwerke sind jetzt gefragt. eMobilität erlaubt Ihnen mit konkreten Projekten in die neuen Märkte der Energieversorgung einzusteigen.

Es ist jetzt Zeit zu handeln. Das betrifft alle Akteure: Vom Energieversorger über den Fuhrpark-Manager und den Elektrofahrzeug-Produzenten bis hin zum Politiker auf Bundes- und Landesebene. Wir haben lange genug diskutiert und analysiert. Die Probezeit ist vorbei.

Kurt Sigl, Präsident Bundesverband eMobilität e.V.

Oh Europa. Quo vadis..?

Die Reise beginnt vor 211 Jahren als Alessandro Volta im Jahr 1800 die elektrische Batterie erfindet und Joseph Henry 30 Jahre später den Gleichstrommotor. Damit fing das Elektromobilitätszeitalter u.a. mit den Konstruktionen von Thomas Davidson an, der 1855 das erste batteriebetriebene Fahrzeug baute. 1881 präsentierte der Ingenieur Gustave Trouvé auf der Internationalen Elektrizitätsausstellung in Paris sein elektrisches Drei-Räder-Fahrzeug mit 12 km/h Höchstgeschwindigkeit und schon 1899 stellte der Belgier Camille Jenatzy den damaligen Geschwindigkeits Weltrekord von über 105 km/h mit einem Elektroauto auf. Zur gleichen Zeit waren in New York über 90 % aller Taxen elektrisch und in London gab es sogar welche mit Wechselakku. 1912 kam dann mit der Einführung des elektrischen Starters, der das lästige Ankurbeln ersetzte und durch die höhere Reichweite der Verbrennungsmotoren das vorläufige Aus für die Elektromobilität.

Vielleicht kann man auch sagen, dass Thomas Edison mit seinem Alkali-Nickel-Akkumulator einfach 5 bis 10 Jahre zu spät in Erscheinung trat. Jedenfalls konnte damals ein Elektrofahrzeug nicht mehr mit Geschwindigkeit, Leistung, Preis und Reichweite des Verbrennungsmotors mithalten.

Seit einigen Jahren bemühen wir uns nun um eine Renaissance der Elektromobilität und versuchen die verschlafenen Jahrzehnte verpasster Chancen wieder aufzuholen. Die Vision einer Neuen Mobilität scheint zunehmend im Bewußtsein der Bevölkerung anzukommen. Dabei bemühen wir uns in Deutschland um eine Leitmarktposition – so will es jedenfalls die Politik. Das proklamierte Ziel wird seit geraumer Zeit auch intensiv in einer Nationalen Plattform vorangetrieben. Da freue ich mich, dass es jetzt endlich so richtig losgeht. Auf die Politik in Deutschland ist Verlass..
Was passiert also im Erfinderland Deutschland in dem neuen Wachstumsmarkt Elektromobilität? Und was passiert im Vergleich dazu bereits heute bei unseren Nachbarstaaten..? Analog zu unserer natürlichen Verbundenheit mit Erneuerbaren Energien hat nun ja auch die deutsche Politik erkannt, dass eMobilität eine sinnvolle und nachhaltige Antwort auf CO2-Reduktionsziele, Klima- und Umweltschutz, Ressourcenschonung, heimische Wertschöpfung, sowie saubere und leise Städte sein kann. Aber mit einer Laufzeitverlängerung, deren Rücknahme oder zumindest massive Korrektur doch in der nächsten Legislaturperiode für eine Regierungsbildung essentiell sein wird..?

Ist etwa auf die politische Unabhängigkeit und Durchsetzung bürgernaher und gesellschaftskonformer Gesetzgebung im Sinne nachhaltiger, strukturpolitischer Entscheidungen und wirtschaftspolitischer Einflussnahmen doch kein Verlass..? Und ist letztlich doch auch die Politik schuld daran, dass unsere international agierenden Automobilkonzerne bei uns bis dato fossiler denn je erscheinen..? Kommen sie doch fast alle seit 2 Jahren »nächstes« Jahr ganz groß mit den Elektroserien auf den Markt. 2011 wird nun zeigen, ob die Konzerne die Herausforderungen der Zukunft, den Umbruch in ein postfossiles Zeitalter wirklich verstanden haben und sich mit eigenen Entwicklungen in Richtung Leitmarkt und insbesondere in Richtung Serienproduktion bewegen können.

Ich denke, dass wir dieser Herausforderung nur mit dem persönlichen Einsatz wirklich verantwortungsbewusster und im Sinne nachfolgender Generationen handelnder Persönlichkeiten und dem Engagement der innovativsten Unternehmen Deutschlands und Europas begegnen können. Es wird Zeit, eMobilität jetzt zeitnah in den Köpfen der Menschen zu verankern und den Anschluss an eine Entwicklung nicht zu verpassen, die unsere ganze Welt grundlegend verändern wird. Dabei sind es doch gerade unsere Unternehmen, die hier gefragt sind und über Jahrzehnte Innovationen hervorgebracht haben. Ich freue mich auf unser erstes Mitglied im Bundesverband eMobilität, das aus den Reihen von VW, Audi, BMW, Daimler, Opel oder Ford kommt. Mit jedem dieser Konzerne führen wir Gespräche, Türen öffnen sich und werden dann von anderer Stelle wieder verschlossen. Warum nur..? Angst können die doch nicht haben. Oder doch..?

Wer jetzt die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt hat, der bleibt unweigerlich zurück, denn es gibt bereits viele neue Player auf dem Markt, die zunehmend an Boden gewinnen und elektromobile Fahrt aufnehmen. Dazu gehören Zulieferer, kleinere Automobilhersteller und natürlich ein gigantischer ausländischer Markt, der in den nächsten zwei Jahren wohl eine unübersehbare Marktpräsenz erreichen wird.

Mit diesen Gedanken wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Lesen unserer zweiten Ausgabe und freue mich über Feedback, Kritik und Anregungen. Seitens der Politik freue ich mich über die Umsetzung unseres innovativen Fördermodells.

Christian Heep, Vorstand Marketing Bundesverband eMobilität e.V.

Die Zeit ist reif

Derzeit scheint es so, als wäre allen klar, dass dem elektrischen Antrieb die Zukunft gehört. Alle großen Autobauer kündigen für die nächsten Jahre Elektroautos an, die Medien berichten täglich über neue Entwicklungen und in zahlreichen Projekten und eRoadshows lassen sich Elektrofahrzeuge ausprobieren.

Die Frage ist nur: Warum projizieren wir Elektromobilität weiterhin in die Zukunft? Wir warten hierzulande gespannt auf die Entwicklungen im Automobilbereich und vergessen dabei, dass die individuelle Mobilität eine weitaus größere Bandbreite an Fahrzeugen beschreibt. Die Elektrifizierung von Zweirädern ist schon weit fortgeschritten – von eBikes, Pedelecs bis hin zu eScootern finden sich zahlreiche, bereits verfügbare Elektrofahrzeuge. Besonders sinnvoll im innerstädtischen Kurzstreckenverkehr. Auch im Bereich der Nutzfahrzeuge gibt es bereits einige emissionsfreie Alternativen. Nicht nur auf der diesjährigen IAA Nutzfahrzeuge ist der Trend hin zur Elektrifizierung zu erkennen, auch Transportunternehmen wie UPS setzen Schritt für Schritt elektrisch betriebene Fahrzeuge in verschiedenen Städten ein. In den bundesweit geschaffenen Modellregionen und -projekten werden derzeit Grundlagen für eine flächendeckende Nutzung der Elektromobilität gelegt. In verschiedenen Testflotten werden die Fahrzeuge auf Alltagstauglichkeit, die Potenziale in Kombination mit Erneuerbaren Energien und die Möglichkeit der Einbindung in intelligente Stromnetze getestet. Diese Ergebnisse müssen wir nun umsetzen und nicht nur dokumentieren.

Die Zeit ist reif: Elektromobilität muss jetzt in Elektroflotten und in Fuhrparks deutlich sichtbar werden. Denn praxisnahe Erfahrungen sind der entscheidende Faktor, um die Gesellschaft für die Neue Mobilität zu gewinnen und eine gesellschaftsübergreifende Akzeptanz für Elektrofahrzeuge zu schaffen. Das können wir jedoch nur gemeinsam bewältigen. Wir müssen die notwendigen Kompetenzen bündeln, innovative Köpfe zusammen bringen und gemeinsam an neuen, oftmals unkonventionellen Kooperationskonzepten und Synergien arbeiten. Genau das haben wir uns als aktives Sprachrohr der Branche gemeinsam mit unseren Mitgliedern zur Aufgabe gemacht.

Kurt Sigl, Präsident Bundesverband eMobilität e.V.

Was geschieht eigentlich wirklich hinter meiner Steckdose..?

Wen kümmert‘s wenn die Welt im Chaos versinkt, irgendwann der letzte Tropfen Öl getrunken ist und das Atom auch in 1.000 Jahren noch über seinen Siegeszug lacht. Egal. Laufzeiten verlängern ist der einzig wahre Weg, volkswirtschaftlich sinnvoll, Solarstrom viel zu teuer, die Herstellung nicht nachhaltig, Wind ist eh Quatsch und Autos fahren nun mal am besten mit Öl. Ich bin‘s leid. Eine Informationskaskade jagt die nächste.

Planspiel: 10 Personen, eine Horde Politiker, 1 Energiekonzern, 1 halbes Stadtwerk, 23 Lobbyisten, 1 Umweltschützer, 1 Wissenschaftler, 2 Journalisten, 1 Anzeigenverkäufer, 2 Chefredakteure, 1 Stammtisch, 10 Banker und Privatinvestoren und ein paar Millionen Autofahrer und Stromkunden. Wer hat recht, wer unrecht..? Und wer hat den meisten Einfluss, das meiste Geld? Wer lenkt und steuert? Die Vermutung: Politik oder Wirtschaft. Ein »und« erscheint eher pathetisch. Die Anwort: Ist einfach und gleichzeitig vermeintlich komplex. So komplex, dass es kein Recht, keine Wahrheit, kein Unrecht und kein Falsch gibt. Die Suppe wird gewürzt mit vielleicht, könnte, müsste, sollte und einer Prise von den anderen und später. Erstaunlich, dass die versalzene Suppe ganz vielen irgendwie schmeckt. Beharrlichkeit und Protektionismus lassen alle schön weiter löffeln.

Was das alles mit meiner Steckdose zu tun hat..? Das kann ich Ihnen auch nicht erklären. Dafür gibt es die vielen studierten Köpfe in der Politik, der Forschung, den Medien, der Wirtschaft und den Verbänden, die allesamt von einigen großen Konzernen abhängig sind. Das ist doch so – oder nur Stammtischniveau? Natürlich kann man es damit erklären: Der Bürger hat zu wenig Ahnung, zu wenig Hintergrundwissen, zu wenig Intellekt, um all die großen Zusammenhänge dahinter zu verstehen. Aber was genau ist denn dahinter..? Ich frage mich, in was für einer Welt ich leben möchte. Und ich stelle fest, dass sich immer mehr Menschen aus allen Bevölkerungsschichten die gleiche Frage stellen.

Was ist eigentlich schlecht an einer Windkraftanlage, die den Wind in Strom umwandelt oder einer Solar- oder Photovoltaikanlage, die uns die Energie der Sonne direkt zugänglich macht? Was ist schlecht an Geothermie, an Biomasse und Gezeitenkraftwerken und vielen anderen tollen Ideen und Errungenschaften der Wissenschaft? Elektroautos, die sauber und leise fahren ohne stinkenden Auspuff, aufgeladen mit Erneuerbaren Energien? Erfunden von klugen Männern und Frauen, die sich Gedanken gemacht haben. Um die Zukunft dieser Welt. Die Zukunft unserer Kinder.

Was um Himmels willen soll schlecht sein an emissionsfreier, nachhaltig erwirtschafteter Energie..? Und dem Export dieser nachhaltigen Technologien. Kann mir jemand das mal erklären..? Ah, das ist zu teuer..! Na dann, machen wir es besser nicht, wenn‘s zu teuer ist. Lasst uns lieber weiter die knapper werdenden Ressourcen dieser Welt verbrennen, Kriege führen, die Städte verpesten und einer vermeintlich strahlenden Zukunft entgegenblicken.

Und das soll alles hinter meiner Steckdose passieren..? Ja, so in etwa schon, viel komplizierter – das wissen Sie ja, aber im Grunde ist es so oder so ähnlich.. Und auch in Ihrem Tank, Ihrem Fernseher, der Zeitung – jeden Tag, jede Stunde. Überall auf der Welt. So ist das. Also machen Sie die Augen auf, wenn Ihnen das nächste Mal jemand was von einer Wahrheit erzählt. Hinterfragen Sie genau und wägen Sie ab, was für die Menschen, Ihre Umwelt und für Ihre Kinder und deren Kinder am besten ist. Wechseln Sie zu Erneuerbaren Energien, finden Sie Elektroautos toll und überlegen Sie beim nächsten Autokauf ein Elektroauto zu kaufen. Fragen Sie heute Ihren Autohändler was die kosten. Schreiben Sie Ihrem Energieanbieter, Ihrer Stadt, dem Bürgermeister, den Abgeordeten und den Unternehmen und fragen Sie, warum sie sich nicht für eine bessere Zukunft einsetzen. Informieren Sie Ihr Umfeld und erziehen Sie Ihre Kinder mit einer besseren, einer nachhaltigeren Verantwortung für diesen Planeten.

Wir müssen jetzt nachholen, was unsere Vorgänger verschlafen haben. Natürlich wird das teuer. Die Folgen weiterer Verzögerung und Protektionismus einer veralteten Elite sind jedoch um ein Vielfaches kostenintensiver. Allerdings außerhalb der eigenen Lebenszeit. Es ist gefordert und unerlässlich langfristiger zu denken. Im Sinne nachfolgender Generationen nachhaltig zu handeln. Das Richtige zu machen. Der bevorstehende Paradigmen- und Systemwechsel ist nicht von heute auf morgen gemacht. Es ist auch gar keine Frage des Wollens, sondern auf lange Sicht eine existenzielle Frage des Überlebens. Die Sicherung der eigenen Lebensgrundlage. Eine Eigenschaft, die auf der Ebene der Handvoll wirklicher Entscheidungsträger durchaus bekannt ist und täglich gelebter Praxis entspricht. Bitte einfach nur ein oder zwei Generationen weiter denken. Könnte dieses Handlungsschema nicht weitaus heroischer sein, als das Festhalten an tradierten Strukturen..?

Aber fürs Erste wird es sicherlich irgendeine Studie geben, die das Gegenteil behauptet. So wie es zu jeder Wahrheit je nach Blickwinkel und Interessenslage diverse Nachrichten gibt, lassen sich auch zur Belegung wissenschaftlicher Wahrheiten diverse Studien finden oder zu dessen Zweck erstellen. Aus Sicht der Protektoren einer fossilen Welt durchaus nachvollziehbar. Wer sägt schon an dem Stuhl auf dem er sitzt..? Dabei wäre es aber doch viel klüger von dem morschen Stuhl aufzustehen und sich einfach auf einen besseren zu setzen. Statt dessen ziehen unsere Eliten es vor, nur die Füße auf einen anderen Stuhl zu legen. Stellen Sie sich einmal den Fall vor, wenn der Stuhl dann zusammenbricht. Lassen Sie uns jetzt nicht nur einen kleinen Raum, sondern ganze Säle mit den richtigen Ideen bestuhlen. Die richtigen Personen setzen sich dann von ganz alleine. Danke.

Christian Heep, Vorstand Marketing beim Bundesverband eMobilität e.V.

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